Max Dienemann: Judentum und Christentum (German Edition) by Max Dienemann

Max Dienemann: Judentum und Christentum (German Edition) by Max Dienemann

Autor:Max Dienemann
Die sprache: deu
Format: azw3
Herausgeber: Books on Demand
veröffentlicht: 2014-04-22T16:00:00+00:00


VERSÖHNUNG UND ERLÖSUNG

In der Lehre von der Erlösung gipfelt nach dem Selbstzeugnis des Christentums seine Bedeutung für die Menschheit. Als die »Erlösungsreligion« nennt es sich selbst die höchste Stufe aller Religion. Um diesen Anspruch zu verstehen, ist es notwendig, das Wort »Erlösung« erst näher zu erfassen.

Judentum und Christentum erblicken beide in der Erlösung eine hohe Hoffnung, einen gewichtigen Wert, aber beide denken sich darunter ein Verschiedenes.

Was ist für den Juden »Erlösung«?

Die Hoffnung auf die Erlösung ist ihm die Hoffnung auf das Zusammenbrechen aller Tyrannei und Gewaltherrschaft und darum zugleich die Hoffnung auf das Ende all des Elends, das auf ihn gehäuft ist, weil er Jude ist und bleibt. Dass Israel aus seiner Not und aus dem Druck, der auf ihm lastet, erlöst werden wird, ist der lebendige Glaube ganz Israels. In diesem Sinne betet der Jude zu Gott als seinem Erlöser; kein öffentlicher Gottesdienst geht vorüber, ohne dass der Bitte um Erlösung ein hervorragender Platz eingeräumt wird, tief in des Juden Brust ist der Glaube eingegraben:

»Ich weiß, dass mein Erlöser lebt« (Hiob 19, 25).

Das Christentum hat nun an dem Glauben an die Erlösung eine folgenschwere Umprägung vorgenommen und nennt »Erlösung«: die Befreiung des Menschen und der Menschheit von der Last der Sünde. Es behauptet, damit den entscheidenden Schritt über das Judentum hinweg getan, den wahren Fortschritt der Religion herbeigeführt zu haben in dem Wichtigsten der Menschenseele: der Sündenvergebung, der Erhebung des Menschen aus seiner Sünde zu reinerem Lehen. Was ist das nun für eine Lehre von der »Erlösung«, die das Christentum kündet?

Auch hier nimmt alles seinen Ausgang von der uns bereits bekannten Auffassung über das Wesen des Menschen. Da im christlichen Bewusstsein die Sünde etwas mit dem Menschen von Natur Verknüpftes ist, menschliche Kraft allein von der Sünde nicht frei machen, kann, so muss der Mensch durch die Macht eines Höheren von diesem Übel befreit, erlöst werden. Aus des Menschen sittlicher Hilflosigkeit folgt nach christlicher Anschauung seine Erlösungsbedürftigkeit. Um nun dem Menschen Erlösung zu bringen, sei Gott zur Erde hinabgestiegen, habe in Christus Menschengestalt angenommen und sich selbst für die Sünde der ganzen Menschheit geopfert, für die Sünde, die vor ihm war, und für die zukünftige. Durch Christus gewinne nun jeder Sünder Vergebung, vorausgesetzt, dass er an die erlösende Macht Christi glaubt. Ohne den Glauben daran sei alle Reue und Busse nur eitel Stückwerk, gebe es keine Vergebung, keine Möglichkeit, zu wirklich frommer Tat zu schreiten, keine Erneuerung des Menschen, weil eben der Mensch auch nach der Reue aus eigener Kraft sich nicht bessern kann. In der katholischen Kirche spielen allerdings neben dem Glauben an Christi Erlösungstat auch die guten Werke des Menschen eine Rolle: sie erwerben dem bereits Getauften die ewige Seligkeit, sie bedeuten die Mitwirkung des Menschen selbst, sich der Gnade würdig zu machen. Allerdings immer nur diejenigen guten Werke, die aus dem Glauben an Christus und seine erlösende Macht hervor gewachsen sind.

Im protestantischen Bewusstsein gilt als wirksam nur die feste Zuversicht, dass um der Verdienste Christi willen die Sünde vergehen sei. Wenn man katholische und protestantische Anschauung



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